Reanimation dokumentieren: Was hinterher regelmäßig fehlt
Eine Reanimation ist der Einsatz mit der dichtesten Dokumentationspflicht und den schlechtesten Bedingungen dafür. Alle Hände arbeiten, niemand schreibt, und hinterher soll ein lückenloser Verlauf entstehen.
Was am häufigsten fehlt
- Der Beginn. Wann wurde mit der Reanimation begonnen, und wann hat der Kollaps stattgefunden? Zwei verschiedene Zeiten, oft nur eine dokumentiert.
- Wer vorher gedrückt hat. Laienreanimation ja oder nein, und ab wann.
- Der Erstrhythmus. Was zeigte das Gerät bei der ersten Analyse?
- Die Schockzeitpunkte. Wie viele, wann.
- Zeiten der Medikamentengaben. Im Verlauf, nicht als Summe am Ende.
- ROSC-Zeitpunkt oder Abbruchzeitpunkt mit Begründung.
Warum die Zeiten so schwer zu rekonstruieren sind
Eine Reanimation besteht aus Zyklen, die sich gleichen. Nach zwanzig Minuten weiß niemand mehr sicher, ob der dritte oder vierte Zyklus derjenige mit der Rhythmusänderung war. Die Erinnerung ordnet Ereignisse zuverlässig, Uhrzeiten aber nicht.
Was hilft
Eine Person, die mitschreibt, sobald genug Kräfte da sind.
Wenige Marken statt vieler Sätze. Uhrzeit plus Stichwort genügt: „14:03 Beginn", „14:05 VF, 1. Schock", „14:22 ROSC". Aus solchen Marken lässt sich ein Protokoll bauen; aus einer Erinnerung nicht.
Der Gerätespeicher. Defibrillator und Monitor führen ihre eigene Zeitleiste. Sie ist die verlässlichste Quelle für Schockzeitpunkte und Rhythmusänderungen, vorausgesetzt, die Uhr des Geräts geht richtig. Das ist ein Punkt für den Fahrzeugcheck.
Und die Nachbesprechung
Ein sauber dokumentierter Verlauf ist die Grundlage jeder ehrlichen Nachbesprechung. Ohne belastbare Zeiten wird aus dem Debriefing eine Diskussion über Erinnerungen.
Quelle: ERC-Leitlinien in der jeweils aktuellen Fassung.
Dieser Beitrag beschreibt gängige Praxis und ersetzt weder Ausbildung noch die für dich geltenden Vorgaben. Massgeblich sind die aktuellen Leitlinien sowie die SAA und BPR deines Trägers.